Corona? War da mal was?

Corona? War da mal was? Im öffentlichen Leben ist die Pandemie fast verschwunden. Selten sieht man im ÖV noch eine maskentragende Person. Anlässe finden ohne irgendwelche Schutzmassnahmen statt. Die Kranken sind verdrängt. Die Krankheit scheint überwunden.

Allerdings lauert sie noch immer im Versteckten. Und wir wissen nicht, wann eine nächste ähnliche Seuche droht. Umso wichtiger ist es, jetzt die richtigen Schlüsse zu ziehen. Fehler dürfen einmal passieren, aber nicht ein zweites Mal.

Wenn wir uns etwas umsehen, so können wir feststellen, dass wir hier noch vergleichsweise glimpflich durch diese Pandemie gekommen sind. Ohne die Todesfälle und die Auswirkungen von Long-Covid verharmlosen zu wollen.

Ein Grund dafür ist die gut funktionierende öffentliche Verwaltung. Wir haben dieser Tage eine Bilanz gezogen. Zu Beginn der Pandemie ging es darum, möglichst schnell und unkompliziert Hilfe auch für Gewerbe und Wirtschaft bereit zu stellen. Das haben alle drei Ebenen unseres Staatswesens getan. In Winterthur haben wir einen Kredit von 5 Millionen Franken bereitgestellt. 3, 3 Millionen davon wurden beansprucht. Damit konnten speziell Selbständigerwerbende und Kleinstbetriebe unterstützt werden, welche die Bedingungen von Bund und Kanton für eine Unterstützung nicht erfüllten. Ein wichtiges Instrument war es, Mieterinnen und Mietern in städtischen Liegenschaften die Mietzinse zu reduzieren oder zu erlassen. Gleichzeitig musste die städtische Verwaltung unter stark erschwerten Bedingungen arbeiten. Nicht alles lief einfach, nicht alles war optimal. Gelernt haben wir in dieser Beziehung sehr viel, und ich hoffe, wir müssen diese Lektionen nicht so schnell wieder anwenden…

Obwohl wir also die Pandemie alles in allem einigermassen überstanden haben, stelle ich leider fest, dass die vergangenen zwei Jahre tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen haben. Unsere Gesellschaft ächzt und knorzt, wie ein altes Gebäude. Statt sachlicher Diskussionen wird immer schneller auf Empörung und Konfrontation umgestellt.

Das ist eine Tendenz, der wir uns stellen müssen. Es geht nicht darum, einfach das Staatswesen zu verteidigen. Im Gegenteil. Ich bin sehr offen für Kritik. Aber wenn staatliche Institutionen schlecht gemacht werden, um auf der Empörungswelle zu surfen, dann bereitet mir das Sorge. Das ächzende Gebäude wird nicht besser, indem man da und dort stützende Elemente rausbricht, sondern durch deren Erneuerung. Genauso ist es mit unserer Gesellschaft – und damit auch der Verwaltung.

Und was meinen Sie? Ich bin gespannt auf Ihr Feedback.

Ihr Kaspar Bopp,
Stadtrat