Was mit einem Stück Papier beginnt

Es ist ein faszinierendes Räderwerk, die Verwaltung einer Stadt. Frauen, Männer, Jugendliche, Ältere arbeiten zusammen, um für die Bevölkerung Dienstleistungen zu erbringen. Entgegen der manchmal gehässigen Stimmung gegen die Verwaltung, die in der Öffentlichkeit verbreitet wird, sind weite Kreise der Bevölkerung auch sehr zufrieden.

In Betrieb gesetzt wird dieses Räderwerk meist noch immer durch ein Stück Papier, ja, meist noch durch einen Brief. Ein Architekt reicht ein Baugesuch ein, ein Vater meldet sein Kind für die Schule an, eine Gruppe Quartierbewohnende möchte eine Verkehrsberuhigung.

Dieses Stück Papier wird heute noch meistens nicht zentral digitalisiert. Es wird kopiert und verteilt. Und da und dort gelagert, abgelegt, bearbeitet, wieder verteilt. Eine Ursache dafür sind nicht zuletzt rechtliche Regelungen, welche das so festlegen und die von der Bevölkerung so gewollt waren.

Wie können wir hier effizienter werden? Ich denke relativ viel an diesem Stück Papier herum. Braucht es dieses Papier und wenn ja, können wir es schon ganz am Anfang im Prozess digitalisieren? Hier liegt der Schlüssel für die zukünftige Verwaltung. Einer «Smart-City», einer Stadt, die ihre Dienstleistungen zeitgemäss mit elektronischen Hilfsmitteln erbringt. Smart City ist seit einigen Jahren bereits ein gerne verwendeter Begriff. Meist werden darunter «Apps» verstanden, die die Bevölkerung und die Verwaltung zusammenführen sollen. Während vielen Jahren ist jedoch im Kern der Verwaltung nichts geändert worden. Noch immer steht das Stück Papier im Zentrum. Dann kam die Pandemie und damit ein Digitalisierungsschub.

«Smart-City» wurde von einer Vision zur handfesten Realität. Die Pandemie hat aber auch schonungslos Schwachstellen und Widerstände aufgedeckt. Diese liegen tiefer. Zum Beispiel darin, dass bürgerliche Parteien eine «verstärkte Digitalisierung» verlangen – aber gleichzeitig die Mittel verweigern, um die Stadtverwaltung im Bereich Digitalisierung fitter zu machen. Da rede ich jetzt nicht von den Geräten her, sondern von der grundlegenden Organisation der Stadt, von Abläufen, verwendeten Programmen. Vom Stück Papier, das am Anfang steht. Hier benötigen wir Investitionen. Hier benötigen wir den Willen, unsere Stadt voranzubringen. Wichtig dabei ist, dass sowohl Bevölkerung wie Verwaltung einbezogen werden. EVP, GLP, Grüne und SP stehen für einen solchen gemeinsamen Weg für Winterthur. Ob nun digital oder analog.

Herzliche Grüsse

Kaspar Bopp

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Hinweis: Dieser Text ist auch als Kolumne in der Winterthurer Zeitung vom 4. November 2021 erschienen.

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