Es ist Zeit, mehr für alle zu schauen
Am kommenden Montag ist der 1. Mai – «Weltfeiertag der Arbeit» wie er offiziell genannt wird. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung feiert diesen Tag bewusst. Für viele gibt es einfach ein verlängertes Wochenende. Immerhin.
Natürlich hat sich die Bedeutung des Tages geändert. Den Kern des 1. Mai bildet jedoch weiterhin die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit. Das ist weder eine überholte noch eine revolutionäre Forderung, sondern schlicht ein Gebot der Vernunft und heute äusserst aktuell. Die Forderung des Winterthurer 1. Mai-Komitees lautet «Alles für Alle». Als Stadtrat sehe ich das natürlich etwas pragmatischer, aber ich bin wirklich überzeugt, dass mehr sozialer Ausgleich ein Gebot der Stunde ist, der letztlich allen eine nachhaltigere Zukunft bringt. Das Debakel der Credit Suisse hat einmal mehr deutlich gemacht, wohin einseitiges Gewinnstreben führt.
Es gibt viele vorbildliche Unternehmen, die Erfolg haben, gerade weil sie die Gewinnmaximierung nicht über ihre Mitarbeitenden stellen, sondern sie fördern und deren Potenzial nutzen. Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt: der Markt ist trotz dieser erfolgreichen Vorbildunternehmen nicht in der Lage dafür zu sorgen, dass alle von ihrem Lohn leben können. In Winterthur wurde deshalb eine Mindestlohninitiative eingereicht. Ich bin überzeugt, dass solche Initiativen wichtig sind. Der Stadtrat hat zu dieser Initiative einen Gegenvorschlag ausgearbeitet, der vom Parlament leider nicht unterstützt wurde. Die Initiative kommt aber in die Volksabstimmung und Winterthur wird demnächst über die Einführung eines kommunalen Mindestlohns entscheiden können.
Ob Sie den 1. Mai nun feiern oder nicht, lassen Sie ihn uns nutzen, um wieder mal zu überlegen, wie wir eine sozialere Gesellschaft erreichen und was unser Beitrag dazu sein kann.
Und was meinen Sie? Ich bin gespannt auf Ihr Feedback.
Ihr Kaspar Bopp,
Stadtrat




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